Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW)

Zulassungsvoraussetzung

Zulassungsvoraussetzung für ein Studium an Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) ist das Abitur oder die Fachhochschulreife. Wer bereits eine Ausbildung z. B. als Chemielaborant mitbringt, der bekommt unter bestimmten Voraussetzungen die berufliche Praxis anstelle eines Praxissemesters anerkannt. Zusätzlich bieten einige HAW Berufserfahrenen bei entsprechenden Vorkenntnissen den Einstieg in ein höheres Semester an.

Die Landesgesetzgebungen der Bundesländer regeln den Hochschulzugang für Bewerber ohne Hochschulreife (besonders befähigte Berufstätige, Meister, Techniker). Einzelheiten dazu gibt es bei den HAW direkt bzw. den Landesministerien.

Studiendauer und -abschlüsse

Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) bieten sowohl Bachelor- als auch Master-Studiengänge mit verschiedenen Ausrichtungen an. Das typische Profil eines HAW-Studiums stellt sicher, dass die Berufsfähigkeit der Studierenden bereits nach dem Bachelorabschluss gewährleistet wird.

Studiengänge mit dem Abschluss Bachelor of Science oder Bachelor of Engineering dauern 6 oder 7, in Spezialfällen auch 8 Semester, wobei in den 6-semestrigen Studiengängen eine Praxisphase und in den 7-und 8-semestrigen Studiengängen ein Praxissemester integriert ist. Das Bachelorstudium wird mit einer Bachelorarbeit abgeschlossen, die üblicherweise in einem Betrieb oder einem Forschungsinstitut durchgeführt wird.

Zu dem weiterführenden Masterstudium wird nur zugelassen, wer ein Bachelorstudium erfolgreich abgeschlossen hat. Auch der Abschluss eines Diplomstudienganges einer Fachhochschule gilt als Zulassungsvoraussetzung zum Masterstudium. Der Zugang zum Masterstudium ist aber auch noch möglich, wenn man schon einige Zeit als Bachelor oder Diplomingenieur (FH) im Beruf tätig war und sich weiter qualifizieren möchte.

In einem Master-Studiengang erweitern und vertieft man das erworbene Wissen. Die konsekutiven Master-Studiengänge bauen auf einem bestimmten Bachelor-Abschluss auf und schließen inhaltlich an ihn an. Die nicht konsekutiven Master-Studiengänge haben hingegen das Ziel, Wissen aus einem benachbarten Feld (z.B. Materialwissenschaften) oder einem gänzlich anderen, komplementären Gebiet (z.B. Betriebswirtschaft) zu vermitteln. Sie schließen fachlich nicht direkt an einen bestimmten Bachelor an. Der Umfang des Masterstudiums dauert in der Regel 2 bis 4 Semester. Insgesamt müssen für einen Masterabschluss Studienleistungen von insgesamt 300 ECTS-Punkten erbracht werden. Brückenkurse zum Erwerb fehlender Punkte aus dem Bachelor-Studiengang werden angeboten.

Einen Überblick über Bachelor- und Master-Studiengänge an HAW gibt www.hochschulkompass.de.

Nach dem Masterstudium an einer HAW kann man auch promovieren. Der Doktorgrad wird i. d. R. von Universitäten vergeben. Nur wenige HAW/FH besitzen das Promotionsrecht. Viele HAW arbeiten mit Universitäten bei Promotionen zusammen. Dabei können Teile der Doktorarbeit in einer Zusammenarbeit von Forschungsgruppen aus beiden Hochschularten, häufig unter Einbeziehung industriepraktischer Fragestellungen, entstehen.

Besondere Merkmale eines HAW-Studiums

Anwendungsorientierte Fächer

Im Studium liegt der Schwerpunkt auf anwendungsorientierten Fächern. Die Schwerpunktfächer und Wahlmöglichkeiten unterscheiden sich hier von Hochschule zu Hochschule stark. Hier einige Schwerpunkte, die an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) angeboten werden: Analytische Chemie, Biochemie, Materialwissenschaften, Chemie-, Verfahrens-, Lack- oder Umwelttechnik, Umwelt- und Bioanalytik, Synthese- und Polymerchemie, Textilchemie, Wirtschaftsingenieurwesen Chemietechnik und Wirtschaftschemie.

In den eher technisch ausgerichteten Studiengängen stehen vor allem Fächer wie Verfahrenstechnik, Mess- und Regelungstechnik, Apparate- und Materialkunde und Strömungslehre auf dem Stundenplan. An anderen HAW liegt der Fokus stärker auf der Analytik. In solchen Studiengängen werden vermehrt Kenntnisse im Bereich Umweltanalytik, Bioanalytik und instrumentelle Analytik vermittelt. An HAW mit einer Ausrichtung auf die Lebenswissenschaften werden Fächer wie Biochemie, Pharmakologie, Toxikologie, Biotechnologie oder Mikrobiologie angeboten. Am Besten informieren Sie sich vor Studienbeginn über die Wahlmöglichkeiten und Schwerpunkte der einzelnen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften.

Praxissemester oder Praxisphasen

Die Dauer der Praxiserfahrung und ihr Platz im Studiengang sind je nach Gesamtdauer des Studiums unterschiedlich. Bei 6-semestrigen Bachelor-Studiengängen umfasst die Praxiszeit einige Wochen bis viereinhalb Monate. Sie kann in ein Semester integriert sein oder in den Semesterferien liegen. Ein volles berufspraktisches Semester (kurz BPS, in der Regel 5 Monate oder 20 Wochen) gehört zu den 7- und 8-semestrigen Bachelor-Studiengängen.

Diese Praxiszeiten können an manchen HAW auch im Ausland verbracht werden. Wer längere Berufserfahrung nachweist, dem wird sie häufig als Praxiserfahrung statt des BPS anerkannt. Praxisphase oder BPS finden in Firmen verschiedener Größe und Branchen statt. Sie „tauchen ein“ in den Berufsalltag der künftigen Kollegen und lernen Hierarchien und Entscheidungswege kennen. Dazu gehört auch die Erfahrung, dass in Firmen, anders als im Hochschulalltag, Kosten-Nutzen-Überlegungen, Zeit- und Projektplanung und Termintreue (und damit auch Termindruck) eine Rolle spielen.

Nach Abschluss der Praxiszeit wird ein Bericht verfasst und oft einen Seminarvortrag gehalten. Das ist eine gute Übung, denn Präsentieren gehört wie Literaturrecherche zu den „Schlüsselqualifikationen“, die im Studium an konkreten, fachbezogenen Beispielen am besten vermittelt und geübt werden.

Ein entscheidendes Merkmal der Praxisphasen oder -semester an HAW ist, dass sie in der Regel in das Studium voll integriert sind. Das bietet einige Vorteile: erstes Arbeiten mit einer Zielvereinbarung, Studierendenstatus wird beibehalten, Betreuung durch einen Hochschullehrer, Kreditpunkte für die erbrachten Leistungen und mehr. Ein erfolgreich abgeschlossenes Praxissemester ist ein Knoten im Netzwerk, das Sie während des Studiums knüpfen und das Ihnen bei der Stellensuche nach dem Abschluss und im Beruf nutzt. Die in der Praxiszeit gesammelten Erfahrungen sind ein Plus, das Sie von anderen Bewerbern unterscheidet.

Projekte und Abschlussarbeiten in Firmen und Forschungsinstituten

HAW arbeiten oft eng mit Firmen und Forschungsinstituten zusammen oder haben eigene „An-Institute“ für Angewandte Forschung und Entwicklung und für Technologietransfer. So begegnen Studierenden frühzeitig Projekte angewandter Forschung aus einer breiten Palette von Arbeitsgebieten.

Bis zur Abschlussarbeit hat sich Selbständigkeit so weit entwickelt, dass sich Studierende in der Regel die nötigen Detailinformationen selbst beschaffen und ihre Arbeit in Absprache mit erfahrenen Betreuern selbst planen und durchführen können.

Die wissenschaftlichen Ergebnisse fassen Sie dann in der Bachelor- bzw. Master-Arbeit zusammen. Sie wird nach den Regeln für wissenschaftliche Publikationen erstellt und von einem Hochschullehrer betreut, korrigiert und bewertet. Dazu gehört an den meisten Hochschulen noch das Abschluss-Kolloquium mit einem Vortrag und anschließender fachlicher Diskussion.

Berufliche Perspektiven

Den Absolventen von HAW/FH-Studiengängen bietet sich ein breites Einsatzgebiet in Bereichen, in denen chemisches Grundlagenwissen und fachpraktische Fertigkeiten gefordert sind. Je nach Interesse und Ausrichtung des Studiums reicht das Spektrum der Arbeitsfelder von der Biochemie, Biotechnologie und Pharmazie über den Umweltschutz, Lebensmitteltechnologie, entwicklungsbegleitende Produktanalytik und laufende Qualitätskontrolle bis hin zu Oberflächentechnik, Polymerwissenschaften, Lacktechnik, Marketing, Vertrieb, Projektmanagement, Ausbildung und Lehre.

Bei der Stellensuche ist die enge Verzahnung von HAW/FH und Industrie von Vorteil. Da die Absolventen durch berufspraktische Semester und Abschlussarbeiten meist gute Kontakte zu Betrieben geknüpft haben, haben sie häufig schon vor Abschluss des Studiums einen Arbeitsvertrag in der Tasche.

 

 

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